Die Kirchliche Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) ist eine ökumenische Fachstelle zu sozio-ökonomischen Fragen im Südlichen Afrika. Schwerpunktländer sind Südafrika, Namibia, Simbabwe und Sambia. Dabei kommt Südafrika als Hegemonialmacht auf dem afrikanischen Kontinent eine besondere Bedeutung zu.
KASA wird getragen und unterstützt von zurzeit 19 kirchlichen Organisationen und ökumenischen Gruppierungen, darunter kirchliche Hilfswerke, Ordensgemeinschaften und Missionsgesellschaften mit operationalen Beziehungen zu Südafrika und den SADC-Ländern; Landeskirchen und Diözesen mit partnerschaftlichen Beziehungen zu Kirchen und Gruppen in Südafrika; ökumenische Organisationen und Basisgruppen, die zu Südafrika und der Region arbeiten und Partnerschaften unterhalten.
Als Schnittstelle zu kirchlichen Akteuren in diesen Ländern, die sich für soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit einsetzen, vermittelt KASA Impulse und Forderungen in die politische Solidaritätsarbeit von ökumenischen Gruppierungen in Deutschland und im europäischen Umfeld. Im Sinne der kirchlichen Option für die Armen leistet KASA einen Beitrag zur Stärkung der zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Kompetenz sowie zur politischen Durchsetzung und theologischen Reflexion wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit im Südlichen Afrika und in Europa.
KASA versteht sich zum einen als Informations- und Servicestelle für kirchliche Gruppen und Organisationen in Deutschland, zum anderen als Lobby- und Kampagnenbüro zu ausgewählten Schwerpunktthemen. KASA ist offen für politische Anstöße aus der Zivilgesellschaft im Südlichen Afrika und greift diese im Rahmen ihrer allgemeinen Zielsetzung auf; in besonderer Weise fühlt KASA sich dabei den kirchlichen Partnern im Südlichen Afrika verpflichtet.
Im Sinne der Stärkung zivilgesellschaftlicher Initiativen für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit bringt KASA politische Anliegen in kirchliche und außerkirchliche Strukturen ein und versucht für ihre Anliegen auf nationaler und internationaler Ebene Bündnispartner zu gewinnen.
Merkmale der KASA
KASA konzentriert sich auf sozio-ökonomische Fragen als zentrale Parameter für das Gelingen eines regional ausgewogenen und gerechten Transformationsprozesses.
Im Zentrum der von KASA vertretenen Solidaritätsarbeit zum Südlichen Afrika im weltwirtschaftlichen Kontext steht politische Advocacyarbeit. Diese umfasst sowohl sachbezogene, an konkreten Teilzielen orientierte Lobbyarbeit an Entscheidungsträgern in Bonn, Berlin und Brüssel als auch eine diese Lobbyarbeit unterstützende Kampagnenarbeit. Zugleich bietet KASA Informationen und Analysen sowie kompetente Aktionsberatung für im Südlichen Afrika engagierte kirchliche Gruppierungen, je nach Anfrage und Kapazität.
KASA ist auf Initiative der Werkstatt Ökonomie entstanden, dort auch räumlich angesiedelt und in die täglichen Arbeitsabläufe eingebunden. Die Werkstatt Ökonomie trägt die rechtliche Verantwortung für KASA. Politisch ist KASA dem Trägerkreis verpflichtet, der seinerseits für eine ausreichende finanzielle Ausstattung sorgt.
Schwerpunktthemen
Neben der Mitwirkung bei der Koordinationsarbeit in der deutschen StopEPA-Kampagne, welche die Cotonou-Verhandlungen zum Abschluss von Freihandelsabkommen der EU mit vorwiegend afrikanischen Ländern kritisch begleitet, engagiert sich KASA seit 1997 im Rahmen der „Internationalen Kampagne für Entschuldung und Entschädigung im Südlichen Afrika” für die Streichung der durch die Apartheid verursachten Schulden der Region und setzt sich für eine Entschädigung der Opfer und Überlebenden ein.
KASA orientiert sich dabei an dem durch die „Wahrheits- und Versöhnungskommission” angestoßenen Versöhnungsprozess in Südafrika und an den Forderungen nach Entschädigung von Seiten der Partner im Südlichen Afrika. KASA sieht in der Versöhnungsarbeit im Südlichen Afrika ein zentrales Thema für die Aufarbeitung der Apartheid und eine Verpflichtung zur Entschädigung seitens deutscher Kirchen, Banken, Konzerne und Politik. Daher ist KASA auch Teil der Kampagne in Deutschland, die die Klage der Apartheidopfer und -überlebenden der Khulumani Support Group vor einem US-amerikanischen Gericht gegen internationale Konzerne begleitet und unterstützt.
In diesem Kontext unterstützt KASA auch die Forderungen der über „Trust for Community Outreach and Education” vernetzten ländlichen Organisationen in Südafrika nach einer gerechten Landreform und verfolgt und begleitet die Debatte über die Landfrage in Namibia, die durch den Dokumentarfilm „Land matters“ wieder neu angestoßen wurde.
Bei all diesen Themen orientiert sich KASA an der Querschnittsperspektive zivilgesellschaftlicher Alternativen. Angesichts globaler Krisen, die die Grenzen des Kapitalismus vor Augen führen, bedarf es einer grundlegenden Neuorientierung des Lebens und Zusammenlebens. In der Suche nach Alternativen sieht KASA eine Aufgabe für die Zukunft, die einer intensiveren Zusammenarbeit mit den Partnern im Südlichen Afrika bedarf. Derzeit unterstützt KASA das Pilotprojekt für ein bedingungsloses Grundeinkommen in Namibia als Möglichkeit der gesellschaftlichen Umverteilung.